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Reschfloor
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Normen & Recht 12 min Lesezeit · 13. März 2026

Normen für Bodenbeläge in Österreich
ein umfassender Überblick 2026.

Wer in Österreich Bodenbeläge plant, verarbeitet oder beschafft, kommt an den geltenden ÖNORM- und EU-Normen nicht vorbei. Dieser Leitfaden gibt einen strukturierten, praxisnahen Überblick, sortiert nach Belagsart, mit konkreten Inhaltsangaben und den aktuellsten Änderungen.

Andreas Reschitzegger
Geschäftsführer Reschfloor GmbH
Normen für Bodenbeläge in Österreich

Wer in Österreich Bodenbeläge plant, verarbeitet oder beschafft, kommt an einem Thema nicht vorbei: den geltenden ÖNORM- und EU-Normen. Sie sind kein bürokratisches Beiwerk. Sie definieren Qualität, Sicherheit und Haftung. Ob es um die Nutzungsklasse eines LVT-Belags geht, die Sporteignung eines Parketts oder die Brandschutzanforderungen für Teppichböden in öffentlichen Gebäuden: Die richtigen Normen zu kennen schützt vor Reklamationen, Haftungsrisiken und teuren Nacharbeiten.

Dieser Leitfaden gibt einen strukturierten, praxisnahen Überblick über alle relevanten ÖNORMEN und EU-Normen für den österreichischen Bodenmarkt, sortiert nach Belagsart, mit konkreten Inhaltsangaben und einem eigenen Abschnitt zu den aktuellsten Änderungen. Die vollständigen Normtexte sind kostenpflichtig über den Austrian Standards Webshop erhältlich.

Warum Normen für Bodenbeläge unverzichtbar sind

Normen für Bodenbeläge erfüllen in der Praxis mehrere zentrale Funktionen, die unmittelbar auf den Arbeitsalltag von Bodenlegern, Planern und Händlern einwirken:

  • Rechtssicherheit: Normkonforme Ausführung bildet die Grundlage jeder Gewährleistungsbeurteilung bei öffentlichen und privaten Aufträgen.

  • Produktauswahl: Normen definieren Mindesteigenschaften: von der Nutzschichtdicke beim LVT bis zur Kraftabbau-Rate beim Sportparkett.

  • Ausschreibung: Die ÖNORM B 2236 ist Pflichtbasis bei öffentlichen Ausschreibungen und regelt Verfahrens- und Vertragsrecht.

  • CE-Kennzeichnung: Die EN 14041 schreibt vor, welche wesentlichen Merkmale Hersteller für ihre Produkte deklarieren müssen (Pflicht für den europäischen Binnenmarkt).

  • Haftung: Wer von anerkannten Normen abweicht, trägt die Beweislast im Schadensfall. Die Norm gilt als Stand der Technik.

Die österreichischen Basisnormen (ÖNORM)

Zwei ÖNORMEN bilden das Fundament für alle Bodenverlegearbeiten in Österreich, unabhängig vom Belagstyp:

ÖNORM B 5236 (2019): Planung und Ausführung

Die ÖNORM B 5236 ist die technische Grundlage für die Ausführung von Bodenbelagsarbeiten mit textilen, elastischen und Laminat-Bodenbelägen sowie Parkett und Holzböden im Innenbereich, auch in Kombination mit Fußbodenheizungen.

  • Untergrundprüfung und Prüfpflichten des Bodenlegers vor Arbeitsbeginn

  • Anforderungen an Ebenheit und Feuchtegehalt des Untergrunds (Verweis auf ÖNORM DIN 18202)

  • Anforderungen an Klebstoffe, Spachtelmassen und Verlegewerkstoffe

  • Verlege- und Planungsregeln je Belagsart

  • Besonderheiten bei Warmwasser-Fußbodenheizungen (max. Oberflächentemperatur 27–28 °C)

  • Fugenplanung: 2–3 mm Wandabstand pro Meter Raumtiefe bei schwimmender Verlegung

  • Regelungen zur Abnahme und Mängelbeurteilung

Hinweis: Die ÖNORM B 5236 enthält keine Bestimmungen für die Verklebung von Wandbelägen. Für Wand- und Deckenbeläge gelten gesonderte Anforderungen.

ÖNORM B 2236 (2019): Werkvertragsnorm

Die B 2236 regelt die vertragsrechtliche Seite der Bodenverlegung. Sie ist für öffentliche Ausschreibungen verpflichtend, im privaten Bereich eine wichtige Orientierungshilfe.

  • Ausschreibungsregeln und Leistungsbeschreibung

  • Rechte und Pflichten von Auftraggeber und Auftragnehmer

  • Maßtoleranzen nach ÖNORM DIN 18202 (2022)

  • Gewährleistungs- und Abnahmebestimmungen

  • Gilt auch für Verlegung über Warmwasser-Fußbodenheizungen

Ergänzende österreichische Normen

Norm

Regelungsbereich

ÖNORM B 3732 (2016)

Estriche: Planung, Ausführung, Produkte und Anforderungen (Belegreife, Untergrundvorbereitung)

ÖNORM B 2232 (2007)

Estricharbeiten: Werkvertragsnorm

ÖNORM B 2242 (Teile 1–7)

Herstellung von Warmwasser-Fußbodenheizungen, inkl. Parkett auf Bodenheizung

ÖNORM DIN 18202 (2022) Update

Toleranzen im Hochbau: Bauwerke (Ebenheitsanforderungen für den Untergrund)

ÖNORM B 3820

Brandverhalten von Bodenbelägen (öffentliche Bereiche, Fluchtwege)

LVT: Luxury Vinyl Tile / Designbelag

LVT-Beläge (Luxury Vinyl Tile) gehören zu den am stärksten wachsenden Bodenbelagssegmenten in Österreich. Normativ fallen sie unter die Gruppe der heterogenen elastischen PVC-Bodenbeläge. Ihr mehrschichtiger Aufbau (Trägerschicht, Glasfaservlies, Dekorschicht und transparente PU-Nutzschicht) stellt besondere Anforderungen an Dimensionsstabilität und Nutzschichtdicke.

LVT wird in drei Verlegearten ausgeführt: vollflächig verklebt (Dryback), schwimmend mit Klick-Verbindung und lose liegend (Loose Lay). Die anzuwendende Norm unterscheidet sich je nach Verlegeart.

Kernnorm: ÖNORM EN ISO 10582 (2019)

Die ÖNORM EN ISO 10582 ist die zentrale Produktnorm für alle LVT-Produkte in Platten-, Dielen- oder Rollenform. Sie legt fest:

  • Produktidentifikation über den Massengehalt des Bindemittels in der Nutzschicht: maßgeblich für Verschleißeigenschaften und Typklassen

  • Allgemeine Anforderungen (Tabelle 2): Gesamtdicke, Nutzschichtdicke, Dimensionsstabilität, Schüsselung, Resteindruck

  • Klassifizierungsanforderungen (Tabelle 3): Mindestanforderungen je Nutzungsklasse (21–43)

  • Anhang B (neu ab 2018): Bestimmung der Ebenheit

  • Anhang C: Öffnungen und Höhendifferenzen zwischen Bodenplatten

  • Anhang D: Arretierungsfestigkeit bei Klick-Verbindungen, besonders relevant für Klick-LVT

  • Transparente, nicht aus PVC bestehende Oberflächenbeschichtungen (z. B. PU-Nutzschicht) sind ausdrücklich zulässig

Vollständige Normenübersicht LVT

Norm

Inhalt / Regelungsbereich

ÖNORM EN ISO 10582 (2019)

Kernnorm: Heterogene PVC-Bodenbeläge, Spezifikationen (inkl. LVT in Platten, Dielen, Rollen)

ÖNORM EN ISO 10874 (2021)

Nutzungsklassifizierung (Klassen 21 bis 43: privat / gewerblich / industriell)

ÖNORM EN 16511 (2023) Neu

Modulare mechanisch verriegelnde Böden (MMF): Klick-LVT und Hybrid-Beläge für schwimmende Verlegung

ÖNORM EN 14041 (2018)

CE-Kennzeichnung: Wesentliche Merkmale elastischer, textiler und Laminat-Bodenbeläge

EN ISO 24346

Bestimmung der Gesamtdicke

EN ISO 24340

Bestimmung der Nutzschichtdicke (Wear Layer)

EN ISO 23997

Bestimmung des Flächengewichts

EN 13893

Gleitreibungskoeffizient / Rutschhemmung (Mindest-Wert: µ ≥ 0,30)

EN 424

Verschiebewiderstand (Möbelstühle: kein Abdrücken der Stuhlbeine)

ISO 4918

Stuhlrollenversuch (für alle elastischen Beläge)

EN 16165 (2021) Neu

EU-Norm zur Rutschhemmungsprüfung: vier einheitliche Prüfverfahren, ersetzt DIN 51097 / 51130

Praxishinweis: LVT und EN 16511. Klick-LVT-Produkte fallen je nach Aufbau unter EN ISO 10582 oder EN 16511 (Hybride/MMF). Achten Sie bei der Produktauswahl auf die korrekte Normenreferenz des Herstellers. Die Anforderungen in EN 16511 liegen teilweise unterhalb jener der EN ISO 10582. Für den gewerblichen Bereich (Klasse 31+) empfehlen Fachverbände ausschließlich Produkte nach EN ISO 10582.

Teppich: Textile Bodenbeläge

Textile Bodenbeläge umfassen Polteppiche (Tufting, Bahnenware und Fliesen), Nadelvliese sowie Polvliese. Jede Kategorie hat ihre eigene Klassifizierungsnorm. Die übergreifende Nutzungsklassifizierung erfolgt nach EN ISO 10874.

Kernnorm: ÖNORM EN 1307 (2019), Polteppiche (Tufting)

Die EN 1307 ist der europäische Standard für Polteppiche und damit die zentrale Norm für alle maschinell getufteten Teppichböden. Die Norm legt fest:

  • Gebrauchsklassen bezüglich Verschleiß und Aussehen (Klassen 21–33)

  • Komfortklassen für den Wohnbereich

  • Gemessene Parameter: Faserzusammensetzung der Nutzschicht, Abmessungen, Gesamtdicke, Flächenmasse, Nutzschichtmasse

  • Zusatzanforderungen: Stuhlrolleneignung, Treppeneignung, elektrische Eigenschaften, Wärmebeständigkeit, Ausfransen-Widerstand

  • Licht- und Reibungsfarbechtheit

  • Schnittkantenfestigkeit (bei Fliesen)

ISO 10361 (Vettermann-Trommeltest): Dieser Simulationstest ergänzt die EN 1307 und zeigt, wie gut ein Teppichboden sein Aussehen unter realem Publikumsverkehr bewahrt. Ein Ergebnis von ≥ 2,0 ist das Mindestmaß; ≥ 2,4 gilt als für intensive Nutzung geeignet.

Vollständige Normenübersicht Teppich

Norm

Inhalt / Regelungsbereich

ÖNORM EN 1307 (2019)

Polteppiche (Tufting): Einstufung von Bahnenware und Fliesen (Gebrauchsklassen, Komfortklassen)

ÖNORM EN 1470 (2009)

Nadelvlies-Bodenbeläge: Einstufung (ausgenommen Polvliese)

ÖNORM EN 13297

Polvlies-Bodenbeläge: Einstufung

ÖNORM EN 14215 (2018)

Maschinengefertigte Teppiche und Läufer: Klassifizierung

ISO 10361

Vettermann-Trommeltest: Aussehensveränderung unter Publikumsverkehr

ÖNORM EN 14499 (2015)

Mindestanforderungen an Teppichunterlagen

ÖNORM EN 15772 (2012)

Nadelvlies-Bodenbeläge für Veranstaltungen mit begrenzter Dauer

ÖNORM EN 14041 (2018)

CE-Kennzeichnung: Wesentliche Merkmale

ÖNORM EN ISO 10874 (2021)

Nutzungsklassifizierung (gilt auch für Teppiche)

ÖNORM B 3820

Brandschutz (insbesondere bei öffentlichen Bereichen und Fluchtwegen)

Sportparkett: Hallenböden für Sport und Bewegung

Sportböden unterliegen besonderen Anforderungen, die weit über normale Bodenbeläge hinausgehen (siehe auch Einsatzbereich Sporthallen). Sie müssen nicht nur strapazierfähig sein, sondern aktiv zum Verletzungsschutz der Sportler beitragen: durch definierten Kraftabbau, kontrollierten Gleitwiderstand und stabiles Ballrückprallverhalten.

Kernnorm: EN 14904 (Mehrzweck-Sporthallenböden)

Die EN 14904 ist die europäische Norm für Innen-Sportböden und definiert Anforderungen an:

  • Schutzfunktionelle Eigenschaften: Kraftabbau (mind. 25 %, Gelenkschutz), Verformung unter Last

  • Sportfunktionelle Eigenschaften: Ballrückprallverhalten, Rollwiderstand

  • Rutschsicherheit: Gleitreibungskoeffizient im definierten Bereich (0,4–0,6)

  • Elastizitätstypen: punktelastisch, flächenelastisch, kombiniertelastisch, mischelastisch

  • Geeignete Oberflächenmaterialien: PVC, Polyurethan, Linoleum, Holz/Parkett, Kautschuk

Hinweis: Die EN 14904 gibt grundsätzliche Anforderungen vor, ist aber relativ knapp gehalten. Die DIN 18032-2 ist deutlich detaillierter und wird in Österreich ergänzend herangezogen, da sie der EN 14904 inhaltlich nicht widerspricht, sondern diese ergänzt.

Vollständige Normenübersicht Sportparkett/-boden

Norm

Inhalt / Regelungsbereich

EN 14904 (2006)

Mehrzweck-Sporthallenböden: Anforderungen (Kernnorm Europa)

DIN 18032-2

Ergänzende deutschsprachige Norm mit detaillierteren Anforderungen (in AT anerkannt)

ÖNORM EN ISO 10874 (2021)

Nutzungsklassifizierung

EN 13893

Gleitreibungskoeffizient: Trittsicherheit

ÖNORM EN 14342 (2013)

Holzfußböden und Parkett: Eigenschaften, Bewertung, Kennzeichnung

ÖNORM EN 13489 (2023) Update

Mehrschichtparkettelemente: aktualisierte Fassung 2023

ÖNORM EN 13226 (2009)

Massivholz-Elemente mit Nut und Feder

ÖNORM EN 14293 (2006)

Klebstoffe für Parkett auf Untergrund: Prüfverfahren und Mindestanforderungen

Linoleum

Linoleum besteht aus natürlichen Rohstoffen: oxidativ polymerisiertes Leinöl (Linoxin), Naturharze, Korkmehl und ein Jutegewebe als Träger. Es ist von Natur aus antistatisch und gehört zu den nachhaltigsten Bodenbelagsmaterialien überhaupt. Wichtig: PVC- oder Kautschukbeläge dürfen normativ nicht als „Linoleum" deklariert werden. Die EN ISO 24011 schließt diese Materialien ausdrücklich aus.

Kernnorm: ÖNORM EN ISO 24011

Die EN ISO 24011 (Nachfolger von EN 548 und EN 670) legt fest:

  • Eigenschaften von Linoleum mit und ohne Muster in Platten- oder Rollenform

  • Klassifizierungssystem nach Nutzungsintensität (ISO 10874)

  • Anforderungen an Gesamtdicke und Deckschichtdicke je Nutzungsklasse

  • Prüfungen: Resteindruck, Dimensionsstabilität, Farbbeständigkeit

  • Kennzeichnungsanforderungen

Vollständige Normenübersicht Linoleum

Norm

Inhalt / Regelungsbereich

ÖNORM EN ISO 24011 (2012)

Kernnorm: Linoleum mit und ohne Muster, Spezifikation (ersetzt EN 548 und EN 670)

ÖNORM EN 686 (2019)

Linoleum mit und ohne Muster mit Schaumrücken

ÖNORM EN 687 (2019)

Linoleum mit und ohne Muster mit Korkmentrücken

ÖNORM EN 688 (2011)

Korklinoleum: Spezifikation

ÖNORM EN ISO 10874 (2021)

Nutzungsklassifizierung (typisch: Klasse 34, gewerblich, sehr starke Beanspruchung)

EN 1815

Antistatik: Aufladungsspannung im Begehversuch (max. 2 kV)

EN 13893

Rutschhemmung / Gleitreibungskoeffizient

ÖNORM EN 14041 (2018)

CE-Kennzeichnung

ISO 4918

Stuhlrollenversuch

Kautschuk: Elastomer-Bodenbeläge

Kautschuk-Bodenbeläge (auch Gummi- oder Elastomerbeläge genannt) bestehen in der Regel aus Synthesekautschuk und sind für besonders anspruchsvolle Einsatzbereiche konzipiert: außerordentlich strapazierfähig, unempfindlich gegen mechanische Einwirkungen und beständig gegen Zigarettenglut sowie chemische Einflüsse. Typische Einsatzbereiche sind Gesundheitseinrichtungen, Bildungsbauten, Sporthallen und Industrieflächen.

Normstruktur: eben vs. profiliert

  • Profiliert (Noppen, Rippen, Wabenstruktur): EN 12199

  • Eben, ohne Schaum (homogen & heterogen): EN 1817

  • Eben, mit Schaumstoffbeschichtung: EN 1816

  • Bahnen ohne Rücken: ISO 10577

  • Mit dekorativer Schicht: EN 14521

Vollständige Normenübersicht Kautschuk

Norm

Inhalt / Regelungsbereich

ÖNORM EN 12199 (2020)

Profilierte Elastomer-Bodenbeläge: Spezifikation (homogen & heterogen)

ÖNORM EN 1817 (2020)

Ebene Elastomer-Bodenbeläge ohne Schaum (homogen & heterogen)

ÖNORM EN 1816 (2020)

Ebene Elastomer-Bodenbeläge mit Schaumstoffbeschichtung

ÖNORM EN 14521 (2004)

Ebene Elastomerbeläge mit oder ohne Schaumunterschicht + dekorativer Schicht

ISO 10577 (2012)

Elastomerbahnen ohne Rücken

ÖNORM EN 1399 (1998)

Widerstandsfähigkeit gegen Ausdrücken und Abbrennen von Zigaretten

EN 12466

Elastische Bodenbeläge: Begriffe (Terminologienorm)

ÖNORM EN ISO 10874 (2021)

Nutzungsklassifizierung

ÖNORM EN 14041 (2018)

CE-Kennzeichnung

EN 14904 (2006)

Zulassung als Sportbodenoberbelag (nach Herstellernachweis)

Übergreifende Normen (für alle Belagsarten)

Nutzungsklassifizierung: EN ISO 10874

Die EN ISO 10874 definiert das einheitliche Klassifizierungssystem für elastische, textile und Laminat-Bodenbeläge. Die richtige Nutzungsklasse ist entscheidend für Produktauswahl, Planung und Gewährleistung:

Klasse

Verwendungsbereich

Beanspruchung

21

Schlafzimmer, Kinderzimmer

Leicht

22

Wohnzimmer, Esszimmer

Mittel

22+

Flure, Eingangsbereiche (Wohnen)

Mittel+

23

Küchen, stark frequentierte Wohnräume

Stark

31

Büros mit geringem Besucherverkehr

Leicht

32

Büros, Klassenzimmer, Geschäfte

Mittel

33

Gänge, Foyers, Kaufhäuser, Schulen

Stark

34

Flughäfen, Bahnhöfe, Großhandel

Sehr stark

41

Leichte Produktion, Lager mit Personenverkehr

Moderat

42

Produktion mit leichten Fahrzeugen

Stark

43

Schwere industrielle Belastung

Sehr stark

Brandschutz: EN 13501-1 & ÖNORM B 3820

Für öffentliche Gebäude, Fluchtwege und besondere Nutzungen sind klare Brandschutzklassen vorgeschrieben. Für Bodenbeläge gelten EU-Brandschutzklassen nach EN 13501-1:

  • Afl: Nicht brennbar (z. B. Naturstein, Keramik)

  • Bfl, Cfl: Schwerentflammbar (für Fluchtwege und öffentliche Gebäude empfohlen)

  • Dfl, Efl: Normal entflammbar

  • Ffl: Keine Leistung bestimmt

Die ÖNORM B 3820 und die OIB-Richtlinien regeln ergänzend die nationalen Brandschutzanforderungen in Österreich.

Rutschhemmung: EN 16165 (neu seit 2021)

Die EN 16165 vereinheitlicht die Rutschhemmungsprüfung seit Dezember 2021 europaweit in vier Prüfverfahren und löst damit mehrere ältere Normen ab (DIN 51130 R-Klassen, DIN 51097 A-B-C-Klassen, DIN 51131). In Österreich wurde die ÖNORM Z 1261 am 1.8.2022 zurückgezogen. Orientierungswert der Arbeitsinspektion AT: µ ≥ 0,45 = ausreichende Rutschhemmung unter Normalbedingungen.

Aktuelles für Bodenleger & Planer: Was Sie jetzt wissen müssen

Neu 2023: EN 16511:2023. Neue Anforderungen für Klick-LVT & Hybridböden

Die überarbeitete EN 16511 (Oktober 2023) bringt wesentliche Neuerungen für modulare, mechanisch verriegelnde Böden (Klick-LVT, Hybrid-Beläge, MMF):

  • Neue Begriffe und präzisere Produktdefinitionen (Abschnitt 3)

  • EN 17539 als neues Prüfverfahren für allgemeine Anforderungen

  • Lichtechtheit und Maßhaltigkeit jetzt als allgemeine Pflichtanforderungen

  • Neue Tabelle 4: Feuchtebeständigkeit als eigene Anforderungskategorie

  • Unterteilung in Böden mit Nutzschichten (Tabelle 2) und Öl-/Wachsbeschichtungen (Tabelle 3)

  • Neuer Anhang B mit Flexibilitätsprüfung für Paneele

Eine weitere Revision zu DIN EN 16511:2025-07 ist bereits angekündigt. Produktspezifikationen sollten entsprechend geprüft werden.

Seit 2021: EN 16165:2021. Neue EU-Rutschhemmungsnorm

Die EN 16165 vereinheitlicht die Rutschhemmungsprüfung europaweit. Vier Prüfverfahren ersetzen die bisherige Normenvielfalt:

  • Anhang A: Begehversuch nass / barfuß (ersetzt DIN 51097 A-B-C)

  • Anhang B: Begehversuch mit Schuhen (ersetzt DIN 51130 R-Klassen)

  • Anhang C: Pendeltest

  • Anhang D: Tribometer-Verfahren

  • ÖNORM Z 1261 wurde am 1.8.2022 zurückgezogen

  • Bestehende R-Klassen-Nachweise bleiben für bereits zugelassene Produkte weiter gültig

Update 2023: ÖNORM EN 13489:2023. Aktualisierte Mehrschichtparkett-Norm

Die Norm für Mehrschichtparkettelemente wurde 2023 in neuer Fassung veröffentlicht. Relevant für alle Projekte mit Fertigparkett, insbesondere im Sportbereich und bei Verlegung über Fußbodenheizungen.

Update 2022: ÖNORM DIN 18202:2022. Aktualisierte Ebenheitstoleranzen

Die aktualisierte Toleranznorm ist direkte Referenz der ÖNORM B 5236 für Untergrundanforderungen. Viele Parketthersteller fordern strengere Toleranzen als die Norm (z. B. max. 2 mm/m statt der normierten 4 mm/m nach Tab. 3, Zeile 3). Diese Herstellervorgaben gehen dem Normwert vor und müssen im Leistungsverzeichnis ausdrücklich verankert sein.

Wien ab Feb. 2024: OIB-Richtlinien 2023. Brandschutzanforderungen aktualisiert

Die überarbeiteten OIB-Richtlinien (Ausgabe 2023) sind in Wien seit Februar 2024 in Kraft. Die übrigen Bundesländer überführen sie schrittweise in das jeweilige Landesbaurecht. Enthalten sind aktualisierte Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen, einschließlich Bodenbeläge.

Zusammenfassung & Schnellreferenz

Das österreichische Normensystem für Bodenbeläge ist zweigleisig aufgebaut: Nationale ÖNORMEN regeln Verlegung, Ausführung und Vertragsrecht. Europäische EN- und ISO-Normen definieren Produkteigenschaften, Klassifizierungen und CE-Kennzeichnung. Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick:

Belagsart

Wichtigste Produktnorm

LVT / Designbelag

ÖNORM EN ISO 10582: Klick-LVT zusätzlich EN 16511 (2023)

Teppich / Tufting

ÖNORM EN 1307 (Nadelvlies: EN 1470)

Sportparkett/-boden

EN 14904, ergänzt durch DIN 18032-2

Linoleum

ÖNORM EN ISO 24011, ergänzt durch EN 686 / 687 / 688

Kautschuk (eben)

ÖNORM EN 1817 / EN 1816

Kautschuk (profiliert)

ÖNORM EN 12199

Alle Beläge: Verlegen AT

ÖNORM B 5236 (Ausführung) + ÖNORM B 2236 (Werkvertrag)

Alle Beläge: Nutzungsklasse

ÖNORM EN ISO 10874

Alle Beläge: Brandschutz

EN 13501-1 + ÖNORM B 3820

Alle Beläge: Rutschhemmung

EN 16165:2021 (ersetzt DIN 51097 / 51130)

  1. Austrian Standards International: Webshop (Normtexte)

  2. Austrian Standards: Böden sicher verlegen (ÖNORM B 2236 & B 5236)

  3. FEB (Fachverband elastischer Bodenbeläge): LVT-Designbeläge

  4. Arbeitsinspektion Österreich: Fußböden, Rutschhemmung

  5. DIN Media: EN 16511:2023 (Änderungsübersicht)

  6. OIB: OIB-Richtlinien 2023

  7. VÖEH (Österreichischer Estrichverband)

  8. FCIÖ, Merkblatt 10: Bodenbelags- und Parkettarbeiten (PDF)

Stand: März 2026. Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind stets die aktuell gültigen, bei Austrian Standards erhältlichen Normtexte.

Häufige Fragen

Welche Norm gilt für LVT-Designbeläge in Österreich?

Die Kernnorm ist die ÖNORM EN ISO 10582. Klick-LVT bzw. Hybrid-Beläge (MMF) fallen je nach Aufbau zusätzlich unter EN 16511 (2023). Für den gewerblichen Bereich ab Nutzungsklasse 31 empfehlen Fachverbände ausschließlich Produkte nach EN ISO 10582.

Welche Brandschutzklasse ist für Fluchtwege und öffentliche Gebäude vorgeschrieben?

Für Fluchtwege und öffentliche Gebäude wird mindestens Bfl-s1 bzw. Cfl-s1 (schwerentflammbar) nach EN 13501-1 empfohlen. Ergänzend regeln die ÖNORM B 3820 und die OIB-Richtlinien die nationalen Brandschutzanforderungen in Österreich.

Welche Norm regelt die Rutschhemmung von Bodenbelägen?

Seit Dezember 2021 vereinheitlicht die EN 16165 die Rutschhemmungsprüfung europaweit in vier Prüfverfahren und ersetzt die bisherigen DIN 51097 (A-B-C) und DIN 51130 (R-Klassen). In Österreich wurde die ÖNORM Z 1261 am 1.8.2022 zurückgezogen. Orientierungswert der Arbeitsinspektion: µ ≥ 0,45.

Was bedeuten die Nutzungs- bzw. Beanspruchungsklassen 21 bis 43?

Die EN ISO 10874 klassifiziert nach Nutzungsintensität: Wohnbereich 21–23, gewerblicher Objektbereich 31–34, Industrie 41–43. Im Objektbau zählen vor allem die 30er-Klassen, z. B. Klasse 33 für Gänge, Foyers und Kaufhäuser.

Welche ÖNORM regelt die Verlegung von Bodenbelägen?

Die ÖNORM B 5236 (2019) regelt Planung und Ausführung der Verlegung (Untergrundprüfung, Verlegung, Abnahme). Die ÖNORM B 2236 (2019) regelt die vertragsrechtliche Seite als Werkvertragsnorm. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist sie verpflichtend.