Wer in Österreich Bodenbeläge plant, verarbeitet oder beschafft, kommt an einem Thema nicht vorbei: den geltenden ÖNORM- und EU-Normen. Sie sind kein bürokratisches Beiwerk – sie definieren Qualität, Sicherheit und Haftung. Ob es um die Nutzungsklasse eines LVT-Belags geht, die Sporteignung eines Parketts oder die Brandschutzanforderungen für Teppichböden in öffentlichen Gebäuden: Die richtigen Normen zu kennen schützt vor Reklamationen, Haftungsrisiken und teuren Nacharbeiten.
Dieser Leitfaden gibt einen strukturierten, praxisnahen Überblick über alle relevanten ÖNORMEN und EU-Normen für den österreichischen Bodenmarkt – sortiert nach Belagsart, mit konkreten Inhaltsangaben und einem eigenen Abschnitt zu den aktuellsten Änderungen. Die vollständigen Normtexte sind kostenpflichtig über den Austrian Standards Webshop erhältlich.
Warum Normen für Bodenbeläge unverzichtbar sind
Normen für Bodenbeläge erfüllen in der Praxis mehrere zentrale Funktionen, die unmittelbar auf den Arbeitsalltag von Bodenlegern, Planern und Händlern einwirken:
- Rechtssicherheit: Normkonforme Ausführung bildet die Grundlage jeder Gewährleistungsbeurteilung bei öffentlichen und privaten Aufträgen.
- Produktauswahl: Normen definieren Mindesteigenschaften – von der Nutzschichtdicke beim LVT bis zur Kraftabbau-Rate beim Sportparkett.
- Ausschreibung: Die ÖNORM B 2236 ist Pflichtbasis bei öffentlichen Ausschreibungen und regelt Verfahrens- und Vertragsrecht.
- CE-Kennzeichnung: Die EN 14041 schreibt vor, welche wesentlichen Merkmale Hersteller für ihre Produkte deklarieren müssen – Pflicht für den europäischen Binnenmarkt.
- Haftung: Wer von anerkannten Normen abweicht, trägt die Beweislast im Schadensfall. Die Norm gilt als Stand der Technik.
Die österreichischen Basisnormen (ÖNORM)
Zwei ÖNORMEN bilden das Fundament für alle Bodenverlegearbeiten in Österreich – unabhängig vom Belagstyp:
ÖNORM B 5236 (2019) – Planung und Ausführung
Die ÖNORM B 5236 ist die technische Grundlage für die Ausführung von Bodenbelagsarbeiten mit textilen, elastischen und Laminat-Bodenbelägen sowie Parkett und Holzböden im Innenbereich – auch in Kombination mit Fußbodenheizungen.
- Untergrundprüfung und Prüfpflichten des Bodenlegers vor Arbeitsbeginn
- Anforderungen an Ebenheit und Feuchtegehalt des Untergrunds (Verweis auf ÖNORM DIN 18202)
- Anforderungen an Klebstoffe, Spachtelmassen und Verlegewerkstoffe
- Verlege- und Planungsregeln je Belagsart
- Besonderheiten bei Warmwasser-Fußbodenheizungen (max. Oberflächentemperatur 27–28 °C)
- Fugenplanung: 2–3 mm Wandabstand pro Meter Raumtiefe bei schwimmender Verlegung
- Regelungen zur Abnahme und Mängelbeurteilung
Hinweis: Die ÖNORM B 5236 enthält keine Bestimmungen für die Verklebung von Wandbelägen. Für Wand- und Deckenbeläge gelten gesonderte Anforderungen.
ÖNORM B 2236 (2019) – Werkvertragsnorm
Die B 2236 regelt die vertragsrechtliche Seite der Bodenverlegung. Sie ist für öffentliche Ausschreibungen verpflichtend, im privaten Bereich eine wichtige Orientierungshilfe.
- Ausschreibungsregeln und Leistungsbeschreibung
- Rechte und Pflichten von Auftraggeber und Auftragnehmer
- Maßtoleranzen nach ÖNORM DIN 18202 (2022)
- Gewährleistungs- und Abnahmebestimmungen
- Gilt auch für Verlegung über Warmwasser-Fußbodenheizungen
Ergänzende österreichische Normen
| Norm | Regelungsbereich |
|---|---|
| ÖNORM B 3732 (2016) | Estriche – Planung, Ausführung, Produkte und Anforderungen (Belegreife, Untergrundvorbereitung) |
| ÖNORM B 2232 (2007) | Estricharbeiten – Werkvertragsnorm |
| ÖNORM B 2242 (Teile 1–7) | Herstellung von Warmwasser-Fußbodenheizungen, inkl. Parkett auf Bodenheizung |
| ÖNORM DIN 18202 (2022) Update | Toleranzen im Hochbau – Bauwerke (Ebenheitsanforderungen für den Untergrund) |
| ÖNORM B 3820 | Brandverhalten von Bodenbelägen (öffentliche Bereiche, Fluchtwege) |
LVT – Luxury Vinyl Tile / Designbelag
LVT-Beläge (Luxury Vinyl Tile) gehören zu den am stärksten wachsenden Bodenbelagssegmenten in Österreich. Normativ fallen sie unter die Gruppe der heterogenen elastischen PVC-Bodenbeläge. Ihr mehrschichtiger Aufbau – Trägerschicht, Glasfaservlies, Dekorschicht und transparente PU-Nutzschicht – stellt besondere Anforderungen an Dimensionsstabilität und Nutzschichtdicke.
LVT wird in drei Verlegearten ausgeführt: vollflächig verklebt (Dryback), schwimmend mit Klick-Verbindung und lose liegend (Loose Lay) – die anzuwendende Norm unterscheidet sich je nach Verlegeart.
Kernnorm: ÖNORM EN ISO 10582 (2019)
Die ÖNORM EN ISO 10582 ist die zentrale Produktnorm für alle LVT-Produkte in Platten-, Dielen- oder Rollenform. Sie legt fest:
- Produktidentifikation über den Massengehalt des Bindemittels in der Nutzschicht – maßgeblich für Verschleißeigenschaften und Typklassen
- Allgemeine Anforderungen (Tabelle 2): Gesamtdicke, Nutzschichtdicke, Dimensionsstabilität, Schüsselung, Resteindruck
- Klassifizierungsanforderungen (Tabelle 3): Mindestanforderungen je Nutzungsklasse (21–43)
- Anhang B (neu ab 2018): Bestimmung der Ebenheit
- Anhang C: Öffnungen und Höhendifferenzen zwischen Bodenplatten
- Anhang D: Arretierungsfestigkeit bei Klick-Verbindungen – besonders relevant für Klick-LVT
- Transparente, nicht aus PVC bestehende Oberflächenbeschichtungen (z. B. PU-Nutzschicht) sind ausdrücklich zulässig
Vollständige Normenübersicht LVT
| Norm | Inhalt / Regelungsbereich |
|---|---|
| ÖNORM EN ISO 10582 (2019) | Kernnorm: Heterogene PVC-Bodenbeläge – Spezifikationen (inkl. LVT in Platten, Dielen, Rollen) |
| ÖNORM EN ISO 10874 (2021) | Nutzungsklassifizierung – Klassen 21 bis 43: privat / gewerblich / industriell |
| ÖNORM EN 16511 (2023) Neu 2023 | Modulare mechanisch verriegelnde Böden (MMF) – Klick-LVT und Hybrid-Beläge für schwimmende Verlegung |
| ÖNORM EN 14041 (2018) | CE-Kennzeichnung: Wesentliche Merkmale elastischer, textiler und Laminat-Bodenbeläge |
| EN ISO 24346 | Bestimmung der Gesamtdicke |
| EN ISO 24340 | Bestimmung der Nutzschichtdicke (Wear Layer) |
| EN ISO 23997 | Bestimmung des Flächengewichts |
| EN 13893 | Gleitreibungskoeffizient / Rutschhemmung – Mindest-Wert: µ ≥ 0,30 |
| EN 424 | Verschiebewiderstand (Möbelstühle – kein Abdrücken der Stuhlbeine) |
| ISO 4918 | Stuhlrollenversuch (für alle elastischen Beläge) |
| EN 16165 (2021) Neu | EU-Norm zur Rutschhemmungsprüfung – vier einheitliche Prüfverfahren, ersetzt DIN 51097 / 51130 |
Teppich – Textile Bodenbeläge
Textile Bodenbeläge umfassen Polteppiche (Tufting, Bahnenware und Fliesen), Nadelvliese sowie Polvliese. Jede Kategorie hat ihre eigene Klassifizierungsnorm – die übergreifende Nutzungsklassifizierung erfolgt nach EN ISO 10874.
Kernnorm: ÖNORM EN 1307 (2019) – Polteppiche (Tufting)
Die EN 1307 ist der europäische Standard für Polteppiche und damit die zentrale Norm für alle maschinell getufteten Teppichböden. Tufting ist heute das weltweit dominierende Herstellungsverfahren für textile Bodenbeläge: Dabei werden Polschlingen oder Polnoppen maschinell in ein Trägergewebe eingestochen und anschließend mit einem Rücken fixiert. Die Norm legt fest:
- Gebrauchsklassen bezüglich Verschleiß und Aussehen (Klassen 21–33)
- Komfortklassen für den Wohnbereich
- Gemessene Parameter: Faserzusammensetzung der Nutzschicht, Abmessungen, Gesamtdicke, Flächenmasse, Nutzschichtmasse
- Zusatzanforderungen: Stuhlrolleneignung, Treppeneignung, elektrische Eigenschaften, Wärmebeständigkeit, Ausfransen-Widerstand
- Licht- und Reibungsfarbechtheit
- Schnittkantenfestigkeit (bei Fliesen)
ISO 10361 – Vettermann-Trommeltest: Dieser Simulationstest ergänzt die EN 1307 und zeigt, wie gut ein Teppichboden sein Aussehen unter realem Publikumsverkehr bewahrt. Ein Ergebnis von ≥ 2,0 ist das Mindestmaß; ≥ 2,4 gilt als für intensive Nutzung geeignet – besonders relevant für Laufwege, Eingangszonen und öffentliche Gebäude.
Vollständige Normenübersicht Teppich
| Norm | Inhalt / Regelungsbereich |
|---|---|
| ÖNORM EN 1307 (2019) | Polteppiche (Tufting): Einstufung von Bahnenware und Fliesen – Gebrauchsklassen, Komfortklassen |
| ÖNORM EN 1470 (2009) | Nadelvlies-Bodenbeläge: Einstufung (ausgenommen Polvliese) |
| ÖNORM EN 13297 | Polvlies-Bodenbeläge: Einstufung |
| ÖNORM EN 14215 (2018) | Maschinengefertigte Teppiche und Läufer: Klassifizierung |
| ISO 10361 | Vettermann-Trommeltest – Aussehensveränderung unter Publikumsverkehr |
| ÖNORM EN 14499 (2015) | Mindestanforderungen an Teppichunterlagen |
| ÖNORM EN 15772 (2012) | Nadelvlies-Bodenbeläge für Veranstaltungen mit begrenzter Dauer |
| ÖNORM EN 14041 (2018) | CE-Kennzeichnung: Wesentliche Merkmale |
| ÖNORM EN ISO 10874 (2021) | Nutzungsklassifizierung (gilt auch für Teppiche) |
| ÖNORM B 3820 | Brandschutz (insbesondere bei öffentlichen Bereichen und Fluchtwegen) |
Sportparkett – Hallenböden für Sport und Bewegung
Sportböden unterliegen besonderen Anforderungen, die weit über normale Bodenbeläge hinausgehen. Sie müssen nicht nur strapazierfähig sein, sondern aktiv zum Verletzungsschutz der Sportler beitragen – durch definierten Kraftabbau, kontrollierten Gleitwiderstand und stabiles Ballrückprallverhalten.
Kernnorm: EN 14904 – Mehrzweck-Sporthallenböden
Die EN 14904 ist die europäische Norm für Innen-Sportböden und definiert Anforderungen an:
- Schutzfunktionelle Eigenschaften: Kraftabbau (mind. 25 % – Gelenkschutz), Verformung unter Last
- Sportfunktionelle Eigenschaften: Ballrückprallverhalten, Rollwiderstand
- Rutschsicherheit: Gleitreibungskoeffizient im definierten Bereich (0,4–0,6)
- Elastizitätstypen: punktelastisch, flächenelastisch, kombiniertelastisch, mischelastisch
- Geeignete Oberflächenmaterialien: PVC, Polyurethan, Linoleum, Holz/Parkett, Kautschuk
Vollständige Normenübersicht Sportparkett/-boden
| Norm | Inhalt / Regelungsbereich |
|---|---|
| EN 14904 (2006) | Mehrzweck-Sporthallenböden – Anforderungen (Kernnorm Europa) |
| DIN 18032-2 | Ergänzende deutschsprachige Norm mit detaillierteren Anforderungen (in AT anerkannt) |
| ÖNORM EN ISO 10874 (2021) | Nutzungsklassifizierung |
| EN 13893 | Gleitreibungskoeffizient – Trittsicherheit |
| ÖNORM EN 14342 (2013) | Holzfußböden und Parkett: Eigenschaften, Bewertung, Kennzeichnung |
| ÖNORM EN 13489 (2023) Update | Mehrschichtparkettelemente – aktualisierte Fassung 2023 |
| ÖNORM EN 13226 (2009) | Massivholz-Elemente mit Nut und Feder |
| ÖNORM EN 14293 (2006) | Klebstoffe für Parkett auf Untergrund – Prüfverfahren und Mindestanforderungen |
Linoleum
Linoleum besteht aus natürlichen Rohstoffen: oxidativ polymerisiertes Leinöl (Linoxin), Naturharze, Korkmehl und ein Jutegewebe als Träger. Es ist von Natur aus antistatisch und gehört zu den nachhaltigsten Bodenbelagsmaterialien überhaupt. Wichtig: PVC- oder Kautschukbeläge dürfen normativ nicht als „Linoleum“ deklariert werden – die EN ISO 24011 schließt diese Materialien ausdrücklich aus.
Kernnorm: ÖNORM EN ISO 24011
Die EN ISO 24011 (Nachfolger von EN 548 und EN 670) legt fest:
- Eigenschaften von Linoleum mit und ohne Muster in Platten- oder Rollenform
- Klassifizierungssystem nach Nutzungsintensität (ISO 10874)
- Anforderungen an Gesamtdicke und Deckschichtdicke je Nutzungsklasse
- Prüfungen: Resteindruck, Dimensionsstabilität, Farbbeständigkeit
- Kennzeichnungsanforderungen
Vollständige Normenübersicht Linoleum
| Norm | Inhalt / Regelungsbereich |
|---|---|
| ÖNORM EN ISO 24011 (2012) | Kernnorm: Linoleum mit und ohne Muster – Spezifikation (ersetzt EN 548 und EN 670) |
| ÖNORM EN 686 (2019) | Linoleum mit und ohne Muster mit Schaumrücken |
| ÖNORM EN 687 (2019) | Linoleum mit und ohne Muster mit Korkmentrücken |
| ÖNORM EN 688 (2011) | Korklinoleum – Spezifikation |
| ÖNORM EN ISO 10874 (2021) | Nutzungsklassifizierung (typisch: Klasse 34 – gewerblich, sehr starke Beanspruchung) |
| EN 1815 | Antistatik – Aufladungsspannung im Begehversuch (max. 2 kV) |
| EN 13893 | Rutschhemmung / Gleitreibungskoeffizient |
| ÖNORM EN 14041 (2018) | CE-Kennzeichnung |
| ISO 4918 | Stuhlrollenversuch |
Kautschuk – Elastomer-Bodenbeläge
Kautschuk-Bodenbeläge – auch Gummi- oder Elastomerbeläge genannt – bestehen in der Regel aus Synthesekautschuk und sind für besonders anspruchsvolle Einsatzbereiche konzipiert: außerordentlich strapazierfähig, unempfindlich gegen mechanische Einwirkungen und beständig gegen Zigarettenglut sowie chemische Einflüsse. Typische Einsatzbereiche sind Gesundheitseinrichtungen, Bildungsbauten, Sporthallen und Industrieflächen.
Normstruktur: eben vs. profiliert
Die Normenwelt unterscheidet nach Oberflächenstruktur:
- Profiliert (Noppen, Rippen, Wabenstruktur): EN 12199
- Eben, ohne Schaum (homogen & heterogen): EN 1817
- Eben, mit Schaumstoffbeschichtung: EN 1816
- Bahnen ohne Rücken: ISO 10577
- Mit dekorativer Schicht: EN 14521
Vollständige Normenübersicht Kautschuk
| Norm | Inhalt / Regelungsbereich |
|---|---|
| ÖNORM EN 12199 (2020) | Profilierte Elastomer-Bodenbeläge – Spezifikation (homogen & heterogen) |
| ÖNORM EN 1817 (2020) | Ebene Elastomer-Bodenbeläge ohne Schaum (homogen & heterogen) |
| ÖNORM EN 1816 (2020) | Ebene Elastomer-Bodenbeläge mit Schaumstoffbeschichtung |
| ÖNORM EN 14521 (2004) | Ebene Elastomerbeläge mit oder ohne Schaumunterschicht + dekorativer Schicht |
| ISO 10577 (2012) | Elastomerbahnen ohne Rücken |
| ÖNORM EN 1399 (1998) | Widerstandsfähigkeit gegen Ausdrücken und Abbrennen von Zigaretten |
| EN 12466 | Elastische Bodenbeläge – Begriffe (Terminologienorm) |
| ÖNORM EN ISO 10874 (2021) | Nutzungsklassifizierung |
| ÖNORM EN 14041 (2018) | CE-Kennzeichnung |
| EN 14904 (2006) | Zulassung als Sportbodenoberbelag (nach Herstellernachweis) |
Übergreifende Normen – für alle Belagsarten
Nutzungsklassifizierung: EN ISO 10874
Die EN ISO 10874 definiert das einheitliche Klassifizierungssystem für elastische, textile und Laminat-Bodenbeläge. Die richtige Nutzungsklasse ist entscheidend für Produktauswahl, Planung und Gewährleistung:
| Klasse | Verwendungsbereich | Beanspruchung |
|---|---|---|
| Privat / Wohnen | ||
| 21 | Schlafzimmer, Kinderzimmer | Leicht |
| 22 | Wohnzimmer, Esszimmer | Mittel |
| 22+ | Flure, Eingangsbereiche (Wohnen) | Mittel+ |
| 23 | Küchen, stark frequentierte Wohnräume | Stark |
| Gewerblich / Öffentlich | ||
| 31 | Büros mit geringem Besucherverkehr | Leicht |
| 32 | Büros, Klassenzimmer, Geschäfte | Mittel |
| 33 | Gänge, Foyers, Kaufhäuser, Schulen | Stark |
| 34 | Flughäfen, Bahnhöfe, Großhandel | Sehr stark |
| Industriell | ||
| 41 | Leichte Produktion, Lager mit Personenverkehr | Moderat |
| 42 | Produktion mit leichten Fahrzeugen | Stark |
| 43 | Schwere industrielle Belastung | Sehr stark |
Brandschutz: EN 13501-1 & ÖNORM B 3820
Für öffentliche Gebäude, Fluchtwege und besondere Nutzungen sind klare Brandschutzklassen vorgeschrieben. Für Bodenbeläge gelten EU-Brandschutzklassen nach EN 13501-1:
- Afl – Nicht brennbar (z. B. Naturstein, Keramik)
- Bfl, Cfl – Schwerentflammbar (für Fluchtwege und öffentliche Gebäude empfohlen)
- Dfl, Efl – Normal entflammbar
- Ffl – Keine Leistung bestimmt
Die ÖNORM B 3820 und die OIB-Richtlinien regeln ergänzend die nationalen Brandschutzanforderungen in Österreich.
Rutschhemmung: EN 16165 (neu seit 2021)
Die EN 16165 vereinheitlicht die Rutschhemmungsprüfung seit Dezember 2021 europaweit in vier Prüfverfahren und löst damit mehrere ältere Normen ab (DIN 51130 R-Klassen, DIN 51097 A-B-C-Klassen, DIN 51131). In Österreich wurde die ÖNORM Z 1261 am 1.8.2022 zurückgezogen. Orientierungswert der Arbeitsinspektion AT: µ ≥ 0,45 = ausreichende Rutschhemmung unter Normalbedingungen.
Aktuelles für Bodenleger & Planer – Was Sie jetzt wissen müssen
EN 16511:2023 – Neue Anforderungen für Klick-LVT & Hybridböden
Die überarbeitete EN 16511 (Oktober 2023) bringt wesentliche Neuerungen für modulare, mechanisch verriegelnde Böden (Klick-LVT, Hybrid-Beläge, MMF):
- Neue Begriffe und präzisere Produktdefinitionen (Abschnitt 3)
- EN 17539 als neues Prüfverfahren für allgemeine Anforderungen
- Lichtechtheit und Maßhaltigkeit jetzt als allgemeine Pflichtanforderungen
- Neue Tabelle 4: Feuchtebeständigkeit als eigene Anforderungskategorie
- Unterteilung in Böden mit Nutzschichten (Tabelle 2) und Öl-/Wachsbeschichtungen (Tabelle 3)
- Neuer Anhang B mit Flexibilitätsprüfung für Paneele
Eine weitere Revision zu DIN EN 16511:2025-07 ist bereits angekündigt. Produktspezifikationen sollten entsprechend geprüft werden.
EN 16165:2021 – Neue EU-Rutschhemmungsnorm (AT: ÖNORM Z 1261 zurückgezogen)
Die EN 16165 vereinheitlicht die Rutschhemmungsprüfung europaweit. Vier Prüfverfahren ersetzen die bisherige Normenvielfalt:
- Anhang A: Begehversuch nass / barfuß (ersetzt DIN 51097 A-B-C)
- Anhang B: Begehversuch mit Schuhen (ersetzt DIN 51130 R-Klassen)
- Anhang C: Pendeltest
- Anhang D: Tribometer-Verfahren
- ÖNORM Z 1261 wurde am 1.8.2022 zurückgezogen
- Bestehende R-Klassen-Nachweise bleiben für bereits zugelassene Produkte weiter gültig
ÖNORM EN 13489:2023 – Aktualisierte Mehrschichtparkett-Norm
Die Norm für Mehrschichtparkettelemente wurde 2023 in neuer Fassung veröffentlicht. Relevant für alle Projekte mit Fertigparkett, insbesondere im Sportbereich und bei Verlegung über Fußbodenheizungen.
ÖNORM DIN 18202:2022 – Aktualisierte Ebenheitstoleranzen
Die aktualisierte Toleranznorm ist direkte Referenz der ÖNORM B 5236 für Untergrundanforderungen. Viele Parketthersteller fordern strengere Toleranzen als die Norm (z. B. max. 2 mm/m statt der normierten 4 mm/m nach Tab. 3, Zeile 3). Diese Herstellervorgaben gehen dem Normwert vor und müssen im Leistungsverzeichnis ausdrücklich verankert sein.
OIB-Richtlinien 2023 – Brandschutzanforderungen aktualisiert
Die überarbeiteten OIB-Richtlinien (Ausgabe 2023) sind in Wien seit Februar 2024 in Kraft. Die übrigen Bundesländer überführen sie schrittweise in das jeweilige Landesbaurecht. Enthalten sind aktualisierte Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – einschließlich Bodenbeläge.
Zusammenfassung & Schnellreferenz
Das österreichische Normensystem für Bodenbeläge ist zweigleisig aufgebaut: Nationale ÖNORMEN regeln Verlegung, Ausführung und Vertragsrecht – europäische EN- und ISO-Normen definieren Produkteigenschaften, Klassifizierungen und CE-Kennzeichnung. Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick:
| Belagsart | Wichtigste Produktnorm |
|---|---|
| LVT / Designbelag | ÖNORM EN ISO 10582 – Klick-LVT zusätzlich EN 16511 (2023) |
| Teppich / Tufting | ÖNORM EN 1307 – Nadelvlies: EN 1470 |
| Sportparkett/-boden | EN 14904 – ergänzt durch DIN 18032-2 |
| Linoleum | ÖNORM EN ISO 24011 – ergänzt durch EN 686 / 687 / 688 |
| Kautschuk (eben) | ÖNORM EN 1817 / EN 1816 |
| Kautschuk (profiliert) | ÖNORM EN 12199 |
| Alle Beläge – Verlegen AT | ÖNORM B 5236 (Ausführung) + ÖNORM B 2236 (Werkvertrag) |
| Alle Beläge – Nutzungsklasse | ÖNORM EN ISO 10874 |
| Alle Beläge – Brandschutz | EN 13501-1 + ÖNORM B 3820 |
| Alle Beläge – Rutschhemmung | EN 16165:2021 (ersetzt DIN 51097 / 51130) |
Quellen & weiterführende Links
- Austrian Standards International – Webshop (Normtexte)
- Austrian Standards – Böden sicher verlegen (ÖNORM B 2236 & B 5236)
- FEB – Fachverband elastischer Bodenbeläge: LVT-Designbeläge
- Arbeitsinspektion Österreich – Fußböden, Rutschhemmung
- DIN Media – EN 16511:2023 (Änderungsübersicht)
- OIB – OIB-Richtlinien 2023
- VÖEH – Österreichischer Estrichverband
- FCIÖ – Merkblatt 10: Bodenbelags- und Parkettarbeiten (PDF)
Stand: März 2026. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind stets die aktuell gültigen, bei Austrian Standards erhältlichen Normtexte.